Test – Canon XF100/105
Die XF100/105 bringt die gleichen Keyfeatures mit wie die XF 300/305 in einem erheblich verkleinerten Gehäuse unter. Zwei Sensoren und die L-Optik mussten dafür wegfallen. Die deutlich kompaktere XF105 kommt mit nur einem CMOS Sensor aus, der entspricht in Größe und Pixelbestückung einem Einzelsensor der großen Schwester. Abgerundet wird die kleine Canon mit einem ebenso üppigen Tonteil wie ihre große Schwester, sowie einem doppelten Kartenschacht für CF-Karten. Schnell wird klar, wo mit der kompakten XF105 gefilmt werden soll: überall dort wo es räumlich beengt zugeht oder wo der große Henkelmann oder gar die Schulterkamera zu sehr auffällt, andererseits aber die Kompromisse bezüglich der Bild- und Tonqualität so gering wie möglich gehalten werden sollen. Im Falle der vorliegenden XF105 Variante besteht aufgrund der SDI-, Genlock- und Timecode-Schnittstellen die Möglichkeit der Einbindung einer kompakten, beweglichen Kamera in eine Studioumgebung.
Aufgezeichnet wird im Broadcast üblichen MXF Format, das ist gut für einen flüssigen Workflow, zumal bei einer maximalen Bitrate von 50Mbit/s und 4:2:2 Farbauflösung AVCHD sowieso nicht das Format der Wahl ist, da das außerhalb der Spezifikationen liegt. Die Besitzer nicht ganz brandaktueller Hardware fürs Editing werden es dankend annehmen, die Verarbeitung bereitet mit gängiger Software wie Sony Vegas Pro oder Adobe Premiere nämlich keinerlei Probleme, für die meisten anderen gibt es kostenlose Plugins, für den reinen Datenimport auf den Rechner reicht die Canon-Software aus, die unserem Modell allerdings noch nicht beilag.
Knopf an Knopf
Die Bedienung ist trotz des kompakten Gehäuses und dem Verzicht auf einen Touchscreen praxisgerecht: wichtige Einstellungen sind ohne Umschweife per Hardkeys einstellbar, Feinabstimmungen wie die Gain-Abstufung werden im Menü vorgenommen. Einige Schiebeschalter, so der Power-, der Umschalter für den Objektivring und die Automatik könnten durchaus mehr Biss haben, wie bei der großen Schwester – der XF305 – sind die Schieberchen nichts für Grobmotoriker. Sie arbeiten sämtlich mit drei Schaltpositionen und rutschen schon mal gern über die mittlere Schaltposition hinaus. Wichtige Tasten wie der AF/MF-Umschalter, die Iris-, Gain- und Schutter-Tasten, sowie IS- Zebra- und WFM- Aktivierung sind in sinnvollen Gruppen zusammengefasst. Für einige Parameter, wie Gain und Zebra lassen sich vorher angelegte Presets abrufen. Die Blende kann nach entsprechender Umschaltung, per Hand am Objektivring eingestellt werden. Für die Verschlusszeit stehen neben der Automatik vier Presets zur Verfügung: Speed (1/120), Angle,Clear Scan (zum flimmerfeien Abfilmen von Bildschirmen) und Slow (bis 1/3). Außerdem sind 10 Tasten relativ frei belegbar. Relativ frei deshalb, weil die Tasten eins bis vier bereits eindeutig beschriftet sind, eine andere Belegung ist zwar ohne weiteres möglich, macht das Handling jedoch nicht übersichtlicher.
Alles unter Kontrolle
Die Zoomgeschwindigkeit lässt sich für drei Zugriffsmöglichkeiten separat justieren; für die Wippe an der Seite, die Wippe auf dem Griff und natürlich für die Fernbedienung per Stativ-Griff. Außerdem sind Korrektur-Algirithmen für verschiedene Vorsatzlinsen hinterlegt, und zwar sowohl Tele- als auch Weitwinkel Adapter. Ein ganz besonderes Augenmerk hat man bei Canon auf die Kontrollorgane gerichtet: so entspricht die Abbildung auf dem Display genau dem aufgezeichneten Bildausschnitt, ein Feature, was den meisten Konsumer-Geräten leider abgeht. Neben den üblichen Hilfsmitteln, wie Zebra- und Peaking-Anzeige stehen noch diverse Gitterlinien zur Verfügung, darunter auch die Anzeige des Bildausschnittes in verschiedenen Seitenverhältnissen. Von 4:3 bis 2,35:1 markiert die XF105 insgesamt sieben Seitenverhältnisse auf dem Display.
Dem Abruf der Gain und Zebra- Presets über die Hardkeys kann ein Feintuning im Menü vorausgehen. Im Falle der Zebraeinstellungen können beide Levels zwischen 70 und 95 bzw. 100 Prozent festgelegt werden. Die Voreinstellungen für den Gain liegen in neun Stufen zwischen 33 und -6 dB jeweils für die wählbaren Werte L, M und H.
Der kleine Dreher (Custom Key Dial) vorn unterhalb des Objektivs ist den Konsumermodellen entlehnt, hier kann wahlweise die Blende, der Face AF oder die Kopfhörerlautstärke eingestellt werden. Auch die dreistufige Tele-Erweiterung (1,5-, 3- und 6-fach) lässt sich hier direkt aktivieren, hierbei wird die komplette Brennweite entsprechend in Richtung Tele verschoben, die Schaltung funktioniert also wie die bekannten Konverter-Zwischenringe für die Wechselobjektive.
Der Ton…
…macht für gewöhnlich die Musik. Hier haben sich die verantwortlichen Ingenieure bei Canon reichlich Mühe gegeben; die eingebaute Kapseln am verlängerten Henkel lassen sich sowohl manuell als auch automatisch aussteuern, Das gehört in dieser Klasse zum Standard, die nächste Ausbaustufe stellt eine kleine, beinah unscheinbare 3,5mm Mikrofonbuchse dar, intern mit einem Schalter versehen kann hier eine Alternative zu den eingebauten Kapseln angeschlossen werden. Die Aussteuerung beider Kanäle erfolgt, wie bei den internen Mikrofonen, wegen der Kanalbalance lediglich über einen Einsteller. Ordentlich auf die Sahne hauen kann man dann mit „richtigem“ Equipment, mit den XLR-Anschlüssen also. Nun kann getrennt ausgesteuert werden, für entsprechende Mikrofone lässt sich eine 48V Phantomspeisung aktivieren. Außerdem können die XLR-Buchsen als Line-Eingänge angepasst werden, für den Anschluss an Mischer oder andere externe Tonquellen.
Die eingebauten Mikrofonkapseln sind für Reportagen und ausgewogenen O-Ton erste Wahl, sie vermitteln ausreichend Grundton, ihnen mangelt es lediglich etwas an differenzierten Höhen. Hier lässt sich dank der flexiblen Eingangsstufe schnell Abhilfe schaffen, um beispielsweise Konzertaufnahmen das letzte tonale i-Tüpfelchen aufzusetzen. Für einen Probelauf versuchten wir das Røde NT4 Stereo Mikro an den XLR-Eingängen, das an der XF105 wunderbar klingt, leider aber nicht in die Halterung passt und zudem für beinah 500g Zusatzgewicht sorgt, da hilft dann nur eine separate Spinne, die im Zubehörschuh Platz findet. Das Beyerdynamic MC72 passt dagegen bestens in die Canon-Klemme und bringt einen hörbaren Gewinn gegenüber den eingebauten Kapseln.
Testbilder
Vorbildlich ist die Farbdarstellung bei optimaler Motivbeleuchtung, für die Lowlightaufnahmen stand der Gain auf Automatik, was einer Verstärkung von 24dB entspricht. Der Screenshot vom Auflösungs-Chart zeigt schon deutlich die hohe Auflösungsfähigkeit und vor allen Dingen, das Fehlen von Moirés und anderen Artefakten. Selbst die Kantenschärfung ist sehr moderat ausgefallen und beinah nur messtechnisch zu ermitteln.
Fazit
Ausstattung und Handling der Semipro von Canon lassen kaum Wünsche offen. Die zahlreichen beliebten Hardkeys sind auf dem vergleichsweise kompakten Gehäuse ergonomisch günstig verteilt, da kann man auch über den einen oder anderen wackligen Schalter hinwegsehen. Die Bildqualität ist hervorragend und eröffnet im manuellen Modus noch einiges Potenzial. Für gut 3.000 Euro als XF100 ohne HD/SD-SDI-Ausgang, Timecode und Genlock hat Canon hier ein perfektes Arbeitsgerät für kleine Produktionsfirmen und ENG Teams präsentiert.
Übersicht
| Canon XF105 | |
| Videoformat | FullHD |
| Auflösung | 1920 x 1080, 1440 x 1080, 1280 x 720 in jeweils 50, 35 oder 25 Mbps |
| Kompression | MPEG2 Long GOP (MXF) |
| Speichermedien | CF-Karten Typ 1 |
| Sensor | 1/3” CMOS |
| effektive Pixel (16:9) | 2.07 Megapixel |
| Objektiv | Canon HD Video Lens F 1,8 |
| Filterdurchmesser | 58 mm |
| opt./digit. Zoom | 10x / 1,5x, 3x, 6x |
| KB-Brennweite (16:9) | 30,4 – 304 mm |
| Bildstabilisator | optisch |
| Man. Schärfe / Zoomring | ja / ja |
| Verschlußzeiten | 1/18 – 1/2.000 |
| Manuelle Zeit- / Blenden- / Gainsteuerung | ja / ja / ja |
| LCD-Display | 8,8 cm, 920.000 Pixel |
| Sucher | 0,61 cm, 260.000 Pixel |
| Mikrofon- / Kopfhörerbuchse | ja* / ja |
| Man. Tonaussteuerung | ja |
| Ein-/Ausgänge | Komponenten-, HDMI-, AV-out, USB 2.0, HD/SD-SDI-Ausgang, Timecode, Genlock*** |
| Akku-Betriebsdauer (mit offenem Display) | 152 min. |
| Abmessungen (incl. Geli-Blende) | 270 x 119 x 147** mm |
| Gewicht (inkl.Akku) | 1.280 g |
| Preis (inkl. MwSt.) | 3.999,– € / 2.999,-€*** |
| Internet | www.canon.de |
| * XLR und 3,5 mm | |
| ** ohne Mikrofonklammer
*** XF100 ohne HD/SD-SDI-Ausgang, Timecode, Genlock |










Kommentare
welches Mikro genau meint ihr? das beyerd. mce 72 cam oder das mce 72 pv cam? haben unterschiedliche größen. würde mich brennend interessieren, da ich mir die Kamera bestellt habe und jetzt eben noch ein gutes stereo-mikro dafür suche.
danke und Gruß
mathias siebert
Hallo Herr Siebert,
da beide genannten Mikrofone den gleichen Durchmesser haben, passen sie beide mechanisch in die Aufnahme am Camcorder. Das MCE 72 PV Cam benötigt eine Phantomspannung, es kann daher an die XLR Buchsen angeschlossen werden. Das MCE 72 Cam wird von einer Batterie gespeist und verfügt über eine “normale” Klinke, selbst dafür gibt es an der Canon eine entsprechende Buchse. Sie können also beide Mikrofone verwenden. Empfehlen würde ich die PV Variante, da brauchen Sie sich keine Gedanken über die eingebaute Batterie zu machen.
Viele Grüße
Wollte mich noch bedanken für die prompte Beantwortung meiner Frage und habe mich, wie empfohlen, entschieden.
m. siebert